Crossmedial, informativ und multitaskingfähig: Lizensierungs-Potentiale im digitalen Raum

1.4.2025 BRANDORA
Lizenzbranche
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Den Überblick über Trends in digitalen Medien müssen Lizenz-Profis regelmäßig auffrischen. Nach dem ersten Quartal 2025 lässt sich festhalten: Fernsehen ist zum Hybrid gereift, Streaming-Dienste planen den Second Screen ein und neben dem Entertainment sind auch Wissensformate nicht zu unterschätzen.

Staumeldungen, Wetterbericht und Dauerrotation in so ziemlich jedem handwerklichen Betrieb: Vielleicht hätte es nicht jeder vermutet aber laut Media Activity Guide 2024 war das Radio im vergangenen Jahr das Medium mit dem weitesten Nutzerkreis in Deutschland. Allerdings nur, wenn man Fernsehen und Mediatheken als zwei unterschiedliche Medien betrachtet. Fasst man sie dagegen unter einer Kategorie zusammen, so ist das lineare Fernsehen hierzulande nach wie vor das gefragteste Massenmedium.

Auch bei der Nutzungsdauer hat die „Flimmerkiste“ mit durchschnittlich 177 Minuten täglich (was 32 Prozent des Medienkonsums entspricht) die Nase vorn. Abonnierte Streamingdienste kommen trotz des Trends zum Bingewatching bislang „nur“ auf 38 Minuten (7 Prozent) täglich. Ein Blick auf einige Details in dem Marktforschungsbericht bestätigt jedoch den Trend, der ohnehin in aller Munde ist: Digital ist weiter auf dem Vormarsch.

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Amazon mittlerweile wichtigster Streaming-Anbieter

So hat sich die Nutzungsdauer des Fernsehens in den vergangenen 10 Jahren rückläufig entwickelt – im Gegensatz zu der von Mediatheken. Der Fernseher ist somit spätestens seit 2020 ein Hybrid aus alter und neuer Medienwelt. Insgesamt liegt die durchschnittliche Fernsehdauer pro Kopf und Jahr auf dem niedrigsten Wert in diesem Jahrhundert.

Nicht nur die Nutzung der Mediatheken steigt beträchtlich, sondern auch jene von Podcasts sowie abonnierter Streamingdienste (Subscribed Video on Demand, SVoD). Bei Letzteren hat Amazon Prime Video den früheren Marktführer Netflix in Deutschland mittlerweile von Platz 1 verdrängt. Im dritten Quartal 2024 führte „Blau“ mit 30 Prozent Marktanteil vor „Rot“ mit lediglich 28 Prozent.

Die 30 Prozent von Amazon Prime Video entsprechen sogar dem kombinierten Anteil der Mitbewerber Disney+, WOW und Paramount+. Diese Dominanz ist auch auf Amazons Kombi-Pakete mit dem hauseigenen Logistik-Service zurückzuführen – was ja das eigentliche Steckenpferd des Konzerns ist.

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Dem Antihelden seinen Trenchcoat nachkaufen

Beide Geschäftsmodelle lassen sich für den Kunden übrigens hervorragend miteinander kombinieren. Denn wer die angebotenen Inhalte auf der Videoplattform anschaut, der hat noch zwei Hände frei, um nebenbei am mobilen Endgerät zugehörige Lizenz-Produkte zu bestellen. Weit hergeholt ist das nicht, denn „Multitasking“ ist einem Großteil des zeitgenössischen Publikums inhärent. So verriet Netflix zuletzt aus Versehen, dass Autoren dazu angehalten werden, ihre Drehbücher auf die Bedürfnisse von Konsumenten anzupassen, die nebenbei noch am „Second Screen“ agieren.

Da passt es doch gut, dass die Entertainment-Sparte der erfolgreichen Streaming-Dienste voll sind von IPs, die sich bestens lizensieren lassen. Fantasy-Franchises bieten per se jede Menge Potential für originelle Accessoires. Netflix punktet hier mit „The Witcher“, während Amazon mit „Ringe der Macht“ die „Herr der Ringe“-IP hält.

Allgemein ist der Trend zu knalliger Optik, die schon auf einen flüchtigen Blick haften bleibt, nicht von der Hand zu weisen. Wednesday, die Tochter und Netflix-Ablegerin der Adams Family zeichnet sich nicht nur durch schwarze Kleider aus, sondern nutzt auch allerlei spezielle Utensilien. Selbst den schwarzen Trenchcoat, in dem Karl Urban alias Billy Butcher sich durch die Antihelden-Serie „The Boys“ (Amazon) flucht, gibt es natürlich längst zu kaufen.

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Bildung ist im Trend

Doch warum sollten sich nicht auch andere populäre Wissensvermittler als Gallionsfiguren eignen? Hier könnte der öffentlich-rechtliche Rundfunk mit einigen Youtube-Formaten punkten, die unter dem „Funk“-Dach organisiert sind. Mirko Drotschmann erklärt als MrWissen2go 2,3 Millionen Abonnenten in unaufgeregtem Tonfall politische Zusammenhänge, während Alexander Prinz alias „Der dunkle Parabelritter“ mit seinen investigativen Recherchen und bissigen Kommentaren immerhin bei 630.000 Nutzern Anklang findet.

Dies sind nur zwei Beispiele für Gesichter, die zu Marken geworden sind und die sich sicherlich gut auf Quizformaten, Sachbüchern oder ähnlichen Produkten machen würden. Hier kommen auch Podcasts ins Spiel. Denn durch das Wegfallen der visuellen Ebene müssen Protagonisten hier entweder mit einer unterhaltsamen Persönlichkeit oder eben mit gehaltvollem Inhalt überzeugen.

Ein Blick auf die Deutschen Podcast-Charts offenbart bei Redaktionsschluss, dass sich neben reichlich Kriminalgeschichten mit „Lanz & Precht“, „Ronzheimer“, „Lage der Nation“ oder „Was jetzt?“ auch so manche Polit-Formate unter den Top 20 befinden. Mit „Geschichten aus der Geschichte“ oder „Einschlafen mit Biografien“ tummeln sich weitere Wissens-Podcasts. Findige Lizenznehmer werden auch aus diesem Trend ihre Erkenntnisse ziehen.

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Dabei muss es gar nicht immer die Entertainment-Sparte sein, in der sich Opportunitäten für Lizenznehmer ergeben. Mit dem „Galileo“-Label etwa steigert der Spielwaren-Produzent Clementoni seit Jahren die Absatzzahlen verschiedener Produkte, bei denen in unterschiedlicher Ausprägung die grauen Zellen gefordert sind. Freilich muss man einräumen, dass bei dem Wissensmagazin von Pro7 die Grenzen zwischen Entertainment und Information aufgeweicht werden.

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